„Wir haben uns kein Datum gesetzt“
Wallenstein - 2010-12-06 13:28:12
„Wir haben uns kein Datum gesetzt“
„Wir haben uns kein Datum gesetzt“ (kreuz.net)
Prälat Guido Pozzo rät im Interview vom Meßbesuch bei der Piusbruderschaft ab. Aber gegen die liturgische Dekadenz im neuen Ritus unternimmt niemand etwas.
Gut zwei Drittel der Diözesanbischöfe haben der Päpstlichen Kommission ‘Ecclesia Dei’ ihre angeblichen Erfahrungen mit der Alten Messe mitgeteilt.
Das sagte der Sekretär der Kommission, Prälat Guido Pozzo, im Gespräch mit ‘Radio Vatikan’.
Die Bischöfe folgten einer Aufforderung, die in dem päpstlichen Begleitbrief zum Motu Proprio ‘Summorum Pontificum’ enthalten ist.
Benedikt XVI. wünschte damals, in drei Jahren eine Einschätzung zur Lage der Alten Messe zu bekommen.
Den Rücklauf bezeichnet Prälat Pozzo als „sehr zufriedenstellend“: „Im Moment besteht das größte Interesse und die meiste Nachfrage in Europa, in den Vereinigten Staaten von Amerika und auch in Australien.“
Weniger Interesse für die Alte Messe gebe es in Lateinamerika, Afrika und Asien.
Die Messe aller Zeiten
Die Alte Messe erfreut die Jugend
Das Interesse an der Alten Messe nimmt nach Angaben des Prälats zu: „Wir beobachten, daß besonders in den jungen Generationen Interesse an und Zulauf zur alten Form der Messe besteht.“
Für den Geistlichen ist das eine „überraschende Neuigkeit.“
Die meisten Altgläubigen gibt es in Frankreich – weit mehr als in Deutschland, Italien oder Spanien.
Für die altliberalen Bischöfe ist die Alte Messe zu katholisch
Vorsichtig deutet Prälat Pozzo an, daß es „noch Vorurteile und Widerstände“ gegen die Alte Messe gibt.
Dies geschehe einerseits aus „ideologischen Gründen“. Andererseits würde die Alte Messe „als Ausdruck einer Antithese, ja einer Opposition zur Liturgiereform gesehen“.
Solche Vorurteile müßten überwunden werden – erklärt der Prälat. Es gelte eine angebliche Einheit der Liturgiegeschichte wiederherzustellen.
Wie sich der Prälat eine Aussöhnung der neuen Messe mit der Tradition der Kirche konkret vorstellt, läßt er offen.
Zur Frage, warum Bischöfe und Priester gegen die Alte Messe sind, windet sich der Prälat.
Sie sähen im Wunsch nach der Alten Messe angeblich „das Risiko einer Sehnsucht nach dem Ästhetischen, rein Ornamentalen, Formalistischen“.
Diesem Vorurteil hält Prälat Pozzo entgegen, daß die Alte Messe einen tiefen Reichtum besitzt.
Dieser müsse respektiert und wiederentdeckt werden – „zum Vorteil der Liturgie, wie man sie auch heute feiert“.
In jedem Priesterseminar die Alte Messe unterrichten
Prälat Pozzo verteidigt auch die altliberalen Bischöfe. Sie würden dem Wunsch nach einer Alten Messe angeblich darum nicht nachzukommen, weil ein Mangel an geeigneten Priestern bestehe.
Darum rät er den Altgläubigen noch mehr Verständnis und Geduld.
Ferner ist er der Ansicht, „daß man den Seminaristen in den Priesterseminaren die Möglichkeit bieten sollte, das Zelebrieren auch in der außerordentlichen Form angemessen zu erlernen – nicht als Verpflichtung, sondern als Möglichkeit.“
Wird der Papst ein altes Pontifikalamt feiern?
Zur Frage einer angeblich gegenseitigen Befruchtung der beiden Riten erklärt Prälat Pozzo, daß die Kommission Vorschläge für die Übernahme von neuen Heiligen und Präfationen erarbeite.
Diese sollen schon „bald“ dem Heiligen Vater vorgelegt werden.
Der Prälat erklärt auch, daß im Petersdom „viele Priester auch mit Meßdiener morgens die Messe im alten Ritus“ feiern.
Was der Prälat nicht sagt: Von den Meßdienern im Bubenalter wird der Alte Ritus bevorzugt.
Auf die Frage, ob der Papst selber ein Pontifikalamt im Alten Ritus zelebrieren werde, antwortet Prälat Pozzo: „Ich glaube, die Frage ist dem falschen Adressaten gestellt!“
Der Liturgiemißbrauch ist die Regel
Zu den Gesprächen mit der Piusbruderschaft – in welche der Prälat selber nicht involviert ist – erklärt er, daß die Vertraulichkeit eine Grundvoraussetzung für den Erfolg sei.
Bei den strittigen Punkten handle es sich um die Themen Religionsfreiheit, Ökumenismus oder die Beziehungen zu nichtchristlichen Religionen.
„Was die Piusbruderschaft von der Position des Heiligen Stuhles unterscheidet, ist eine Ansicht bezüglich der Kontinuität oder Kohärenz zwischen den Lehren des Zweiten Vatikanischen Konzils und früheren Aussagen des Lehramtes.“
Ferner betont Prälat Pozzo, daß die Bruderschaft anerkennen müsse, daß die neue Messe gültig und sogar legitim sei.
„Zweideutigkeiten, Mängel und auch doktrinären Fehler, die sich in der Zeit nach dem Konzil verbreitet haben“ stünden auf einem anderen Blatt – lenkt der Prälat von den Zweideutigkeiten, Mängeln und doktrinären Fehler in den Konzilstexten selber ab.
Er gibt immerhin verschnörkelt zu, daß es in der neuen Liturgie Mißbräuche und Mängel gibt.
Es gebe „viele Meßfeiern“, die nicht der wahren Lehre und dem wahren Geist der Liturgiereform entsprechen – verharmlost der Prälat die liturgische Dekadenz in der Kirche.
Vom Besuch der Pius-Messen wird abgeraten
Pius-Bischof Richard Williamson wertet Prälat Pozzo als „Einzelfall“. Dessen Beurteilung und die Anwendung disziplinärer Maßnahmen obliege dem Generaloberen der Piusbruderschaft, Mons. Bernard Fellay.
Vom Meßbesuch bei der Piusbruderschaft – wo es die schweren Mißstände der Konzilskirche nicht gibt – rät Prälat Pozzo ab.
Altgläubige sollten Pius-Messen „vermeiden“ – formuliert er vorsichtig.
Die Messen und die Sakramenten-Spendung bei der Priesterbruderschaft seien irregulär.
Die Dauer der Gespräche der Bruderschaft mit dem Vatikan kann Prälat Pozzo nicht abschätzen: „Wir haben uns kein Datum gesetzt.“
Und: „Wir beten, arbeiten und wirken darauf hin, daß die Wiedereingliederung der FSSPX in die volle kirchliche Gemeinschaft nicht mehr lange Zeit dauert.“
Quelle.